A/C, give it to me!

by Christoph

Dieser kleine Satz schwirrte den ganzen Tag in meinem Kopf umher. Ohne Klimaanlagen geht gar nichts in den Emiraten. Schon gar nicht im Juli und erst recht nicht für uns Mitteleuropäer. Am Morgen war ich noch verwundert als mein Cousin beim gemütlichem, gemeinsamen Frühstück aufstand mit den Worten: „Ich starte schonmal den Jeep.“Dieses tat er nicht um mich dazu zu bewegen mein Brötchen schneller herunterzuschlingen, oder den noch dampfenden Kaffee in einem Zug herunterzuspülen, sondern um die Temperatur des in der Sonne geparkten Autos von dezenten 70 Grad Celsius auf erträgliche 21 Grad herunter zu klimatisieren. Absolut notwendig, wenn man nicht gerade seinen Namen in das Armaturenbrett mit dem Fingernagel schreiben möchte.Und da Kraftstoff nicht gerade zu den teuersten Dingen in den Emiraten gehört (kein Wunder wenn man darauf sitzt) eine finanzierbare Angelegenheit.

Ausserhalb des Autos betrug die Temperatur 39 Grad Celsius und der Himmel war leicht bedeckt, als wir bei angenehmen 18 Grad im Innerem des Autos gegen elf Uhr am Morgen unseren Tagestrip durch die VAE antraten.

Als erstes fuhren wir in die Innenstadt von Ra´s al-Chaima, die Hauptstadt des gleichnamigen und nördlichsten Emirates. Im Norden und Osten angrenzend an den Oman. Zur westlichen Seite an der Küste des persischen Golf und bekannt aus der Geschichte durch die Piraterie des Stammes der Qawasim. Diese beherrschten im 19. Jahrhundert große Teile der persischen Südküste unter Sultan ibn Saqr. Zu dieser Zeit hatten Großbritannien und der Oman eine Handelsroute durch den persischen Golf. Das die Briten über das kapern ihrer Handelsschiffe „not amused“ waren versteht sich von selbst. Also beschlossen sie zusammen mit dem Oman dem ganzen Treiben ein Ende zu setzen und marschierten kurzerhand im Emirat gewaltsam ein. Dadurch geriet das Emirat unter britische Herrschaft, woraus es erst im Jahr 1972 entlassen wurde. Am selbem Tag der Unabhängigkeit trat Ra´s al-Chaima den ein Jahr zuvor gegründeten Vereinigten Arabischen Emiraten unter der Führung Abu Dhabis bei. Jedes Emirat wird von einer Scheichfamilie autonom geführt. Wobei die Scheichfamilie des Emirates Abu Dhabi, welches das reichste der sieben Emirate ist, das Sagen hat und die anderen auch finanziell unterstützt.

Wolkenkratzer sind in Ra´s al-Chaima eher selten. Die Stadt wirkt genauso wie ich mir eine Stadt im Nahem Osten immer vorgestellt habe. Wenig grün, staubige Strassen und sandfarbene Häuser und Mauern. Alles irgendwie im selben Ton. Grün sehe ich nur wenn wir an einer Hotelanlage vorbei fahren oder nur ganz vereinzelt am Strassenrand, obwohl das Emirat im Vergleich zu den anderen die üppigste Vegetation haben soll.

Eine halbe Stunde später befinden wir uns auf der Emirates Road in Richtung Dubai. Aus dem Autoradio klingen die sanften Klänge der Dire Straits während wir uns mit dem atemberaubendem Tempo von 120 Kilometer pro Stunde auf der schnurgeraden, mindestens sechsspurigen, mäßig befahrenen Strasse südwärts bewegen. Fährt man schneller als 120 ertönt ein lästiger Piepton im Auto, welcher auch permanent piept und erst wieder aufhört wenn man die zulässige Höchstgeschwindigkeit wieder unterschreitet. Wahlweise kann man auch das Autoradio aufdrehen erklärt mir Alex, aber dann könnte es teuer werden, da alle paar hundert Meter eine Blitzanlage steht.

Die Temperaturanzeige des Autos zeigt im Inneren konstante 19 Grad Celsius. Ausserhalb steigt die Hitze auf mittlerweile 45 Grad Celsius an als in der Ferne die ersten Wolkenkratzer am Horizont auftauchen und die Dichte des Verkehrs zunimmt.