Princess for a night
by Christoph
Wir befinden uns im Juli 2009. Ich steige das erste Mal in meinem Leben in ein richtiges Flugzeug. In eine Boing 777 von Emirates. Zuvor flog ich immer nur mit kleinen Sardinenbüchsen durch Europa. Als ich das Flugzeug betrat bekam ich schon einen kleinen Vorgeschmack auf mein Reiseziel. Die Vereinigten Arabischen Emirate. Alles an Board wirkt sehr hochwertig und gemütlich. Es wird sich beinahe rührend um mein leibliches Wohl gekümmert.
Nach sechs Stunden Flug und einigen Whiskeys beginnt der Landeanflug auf den Dubai International Airport. Ich sitze am Fenster auf der rechten Seite des Fliegers und habe somit einen atemberaubenden Blick auf die Palme, eine sinnlose, künstlich angeschüttete Insel in Form einer Palme an der Küste Dubais.
Nach gefühlten 33 Kilometer Fussmarsch quer durch den Flughafen von Dubai, wohlgemerkt ohne mich zu verlaufen, das Teil ist wirklich so riesig. Vorbei an riesigen Fahrstühlen umgeben von Wasserfällen und riesigen endlos wirkenden Hallen, traf ich meinen Cousin Alex am Arrival. Er wohnt und arbeitet für eine deutsche Firma in den Emiraten. Das ist auch der Grund warum ich auf dem Weg einen Stop hier einlege und nicht direkt nach Vietnam durchfliege.
Dubai steht dabei auch sehr im Kontrast zu meinem Reiseziel. Kurz gesagt ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Es war 23:00 nachts und ich dachte ich laufe gegen eine Wand als wir das Flughafengebäude verliessen. Wir hatten gemütliche 40 Grad Celsius mitten in der Nacht und eine Luftfeuchtigkeit, dass meine Hände sofort anfingen zu schwitzen und ich mir nicht recht traute eine Zigarette anzuzünden, aus Angst wir hätten die Explosionsgrenze erreicht und der gesamte Flughafen würde durch den Funken meines Feuerzeugs in die Luft fliegen. Von der Sucht getrieben tat ich es trotzdem und es ging nochmal gut.
Danach sind wir endlos lange, leere, sechsspurige Autobahnen nach Ra´s al-Chaima gefahren. Immer schön konstant mit 120. Nicht weil er Auto fährt wie manche Mädchen, sondern weil alle 500 Meter ein Blitzer steht. Ob das Sinn macht? Naja, es könnte teuer werden, da man die Strafen alle zusammen einmal im Jahr bezahlen muss berichtet mir Alex. Da bieten sich 120 auf einer wie gesagt absolut leeren, sechsspurigen, schnurgeraden Autobahn doch geradezu an.
Ra´s al-Chaima ist das nördlichste von sieben Emiraten und bedeutet überstetzt soviel wie “Spitze des Zeltes”, abgeleitet von der an eine Zeltspitze erinnernde topographische Lage.
Alex lebt dort in einer ummauerten Wohnsiedlung. Alle Häuser sehen irgendwie gleich aus. Dort wohnen fast nur Europäer, die in den Emiraten ihr Geld verdienen. Es gibt einen Golfplatz, mehrere Pools, Bars, ein Restaurant und einen eigenen Sicherheitsdienst. Das Haus konnte sich sehen lassen. Mir war es ein Rätsel wie er es schaffte, das Richtige zu finden. Mir fiel schon während der Nacht auf, das alles irgendwie sehr trostlos aussieht. Schnurgerade Autobahnen, keine Berge, kaum Grün, ausser an den aufwendig bewässerten Golfplätzen. Aber das ist in einer Wüste wohl so üblich, wenn ich mich an meinen früheren Geographieunterricht, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, als ich noch die Schule besuchte, erinnere.
Den Abend liessen wir dann mit Bier und Männergesprächen ausklingen. Ich fiel erschöpft in mein King Size Bett und schlief wie eine kleine Prinzessin.
In den nächsten zwei Wochen werde ich weit weg von jeglichem Komfort sein, umso wichtiger diese kurze Nacht wohl temperiert ( ein Dank an die Klimaanlage ) zu geniessen.
